Vloggen: Besser mit Gimbal

Das Erstellen von Referenz-Videos (Anwender-Reportagen)  ist in den vergangenen 15 Jahren sprichwörtlich leichter und flexibler geworden. Anstelle der großen Kameras mit Bandlaufwerken und schweren Stativen sind leichte Kompaktkameras mit Handgriffen oder Gimbals getreten. Die neue speziell für Vlogger entwickelte Sony ZV 1 und der Allround-Gimbal Crane M2 von Zhiyun markieren für mich den Beginn einer neuen Ära.

Eigentlich wollte ich mir schon längst eine neue Filmausrüstung zulegen. Doch meine Sony Alpha 7  funktionierte noch einwandfrei und ich bin ein Gewohnheitsmensch mit großem Trägheitsmoment, wenn die Prozesse laufen und meine Kunden zufrieden sind. Ich wusste auch nicht so genau, was ich wollte. Leichter sollte es werden - sprich: weniger Schlepperei, zumal ich innerhalb der DACH-Region grundsätzlich mit der Bahn fahre. Außerdem sollten meine Aufnahmen dynamischer werden. Ich wollte also weg vom Stativ und hin zum Filmen mit Gimbal. Schon der Stabilisator meiner kleinen Drohne (DJI Spark) hat mich immer fasziniert.

Vor diesem Hintergrund war ich fast schon froh, als ich neulich mein Carbon-Stativ in einem Zug liegengelassen hatte. Nach einer kurzen Schrecksekunde war mir klar, dass jetzt der Zeitpunkt für den Systemwechsel gekommen war. Ich erkundigte mich bei befreundeten Kameraleuten und Filmproduzenten (die in der Technik immer viel tiefer versunken sind als ich) nach den aktuellen Modellen. Der Rat war eindeutig: Die neue Sony ZV 1 und der dazu passende Gimbal  vom Typ Crane M2 von Zhiyun passen am besten zu mir.

Mein Fachhändler in Landshut (Foto Pätzold) hatte beides auf Lager (was im Juli 2020 nicht selbstverständlich war... Sony kam mit der Lieferung der ZV 1 kaum hinterher). Um gute O-Töne zu produzieren, braucht es natürlich auch hier Zusatzlicht und Funkstrecke (siehe Bild)... das eingebaute Mikrofon der ZV 1 ist zwar erstaunlich gut, fängt dann aber doch zu viele Nebengeräusche ein. Für den reinen Vlogger reicht das vielleicht, aber nicht für das Einfangen der Kundenstimmen als Kern der typischen Anwender-Reportage.

Mit Licht und externem Mikrofon lässt sich der Gimbal jedoch nicht mehr ausbalancieren, so dass ich mir für die O-Töne zusätzlich den Sony-Handgriff vom Typ VCT-SGR1 besorgt habe. Diesen kann man zuverlässig und schnell per Kabel mit der Kamera verbinden und dann Zoom, Foto und Videofunktion über den Griff bedienen. Ganz ohne Bluetooth.

Wie angenehm der Verzicht auf eine Bluetooth-Verbindung sein kann, lernte ich beim Einrichten des Gimbals.... überhaupt fand ich schon bemerkenswert, dass man einen Gimbal einrichten muss. Während ein Stativ rein mechanisch und analog funktioniert, handelt es sich bei einem Gimbal um einen Mini-Computer, der über eine eigene Firmware verfügt. Und hier lag bei meinem  Zhiyun Crane M2 der Hase im Pfeffer. Mein Gimbal wurde mit einer älteren Version der Firmware ausgeliefert und erkannte deshalb nicht automatisch die (neuere) Sony ZV 1. Es hat mich einige Stunden der Tüftelei gekostet, um die Ursache der verweigerten Verbindung herauszufinden. Es lag tatsächlich an der Firmware, deren neue Version ich nun erst einmal herunterladen und auf dem Gimbal installieren musste. Das ging dann erstaunlich schnell und schwupp.... die Sony ZV 1 war fortan mit dem Stabilisator verbunden. Die Verbindung mit meinem Smartphone (Google Pixel) funktionierte übrigens sofort auch mit der alten Firmware. Das ist natürlich ein weiterer Vorteil des Crane M2: Er passt nicht nur für Action- und Kompaktkameras, sondern auch für Smartphones. Sehr empfehlenswert.

Ab sofort werde ich ausschließlich mit meiner neuen Ausrüstung arbeiten und mich dabei jedesmal über das eingesparte Gewicht und die gewonnene Dynamik freuen. Mein Carbon-Stativ ist übrigens wieder aufgetaucht. Ich kann es mir demnächst im Fundbüro der ODEG (Ostdeutsche Eisenbahn) in Berlin abholen.

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